Was machen wir mit unserem Wohneigentum im Alter?

Es lohnt sich, rechtzeitig über eine Veränderung der Wohnsituation nachzudenken, bevor das Haus zu groß, die Instandsetzung und Gartenarbeit zu mühsam oder die Erhaltungskosten zu kostspielig werden. Dazu kommen neue Ansprüche an den Standort: eine städtische Lage hat für ältere Menschen erhebliche Vorteile. So ist man in Stadtnähe für die alltäglichen Verrichtungen wie Einkäufe oder Arztbesuche weniger aufs Auto angewiesen, da mehr öffentliche Verkehrsmittel vorhanden sind. Außerdem liegen kulturelle Veranstaltungen näher und die Infrastruktur hat erheblich mehr zu bieten als in den Vororten.

 

Früher konnte der Garten für die Kinder nicht groß genug sein. Heute macht er mehr und mehr Mühe. Die vielen Stufen der Treppen werden immer beschwerlicher im Aufstieg. So manch ein Zimmer was früher mit so viel Leben gefüllt war, dient heute als Abstellraum. Im Alter merken viele Eigentümer, dass die eigene Immobilie nicht mehr den aktuellen Wohnansprüchen entspricht.

Variante 1: Haus oder Wohnung behalten

 

Das Einkommen in der berufsfreien Zeit liegt meist um einiges tiefer als vor der vorher. Trotzdem sollten die Wohnkosten nicht über ein Drittel des Einkommens steigen. Darauf achten Banken, wenn ihre Hypothekarschuldner in Rente gehen. Falls das Verhältnis zwischen Einkommen und Wohnkosten nicht mehr stimmt, wird die Bank in der Regel darauf bestehen, dass die 2. Hypothek amortisiert, sprich zurückbezahlt wird. Viele Wohneigentümer amortisieren ihre Hypotheken im Hinblick auf ihre Pensionierung sogar freiwillig, weil sie sich ohne Schulden sicherer und unabhängiger fühlen.

 

Tragbarkeit ist eine wichtige Frage. Die andere ist, was mit der Immobilie geschehen soll, wenn die Eltern sterben. Je früher das geregelt ist, desto besser. Besonders, wenn mehr als ein Kind erbberechtigt ist. Häufig streiten sich die Kinder um Haus oder Wohnung oder das Kind, das die Immobilie übernehmen soll, kann die anderen nicht auszahlen. Wenn eine Lösung gefunden ist, ist es oft sinnvoll, die Immobilie zu überschreiben und sich das Wohnrecht auf Lebzeiten zu sichern. Weil aber kein Fall wie der andere ist und Faktoren wie Finanzen oder Steuern einen Einfluss haben, lohnt es sich, sich beraten zu lassen.

 

Variante 2: Haus oder Wohnung verkaufen

 

Die Entscheidung, Haus oder Wohnung zu verkaufen, ist für Wohneigentümer schwierig. Weil sie jahrzehntelang darin gelebt haben, weil ihre Kinder darin aufgewachsen sind, weil sie Angst vor Veränderungen haben. Deshalb entscheiden sie oft emotional und verkaufen nicht. Obwohl sie nicht mehr so mobil sind wie früher, ihnen das Treppensteigen in der Maisonette immer schwerer fällt oder die Gartenarbeit mehr Last als Lust ist. Doch der Verkauf kann befreiend wirken. Vor allem, wenn Sie sich »Was gewinne ich?« statt »Was verliere ich?« fragen. Mögliche Antworten: mehr Zeit, Unabhängigkeit, Freiheit.

 

Rational spricht viel dafür, Wohneigentum im Alter zu verkaufen. Vielleicht verschieben Sie Ihren Lebensmittelpunkt, wahrscheinlich brauchen Sie weniger Raum. Mit dem Geld, das Sie für Ihre Immobilie erhalten, können Sie ihre Hypothekarschulden abzahlen und ein kleineres Haus oder eine kleinere Wohnung in der Nachbarschaft, in den Bergen oder am Meer mieten. Und reisen. Oder sich ein Hobby leisten, von dem Sie schon lange träumen. Oder anlegen und, zumindest teilweise, von den Erträgen leben. Oder, kurz und bündig, Ihre Unabhängigkeit und Ihre Freiheit genießen – Sie haben ein Leben lang dafür gearbeitet.

 

Fazit: Die Entscheidung ist so individuell wie Sie

 

Die Entscheidung, ob Sie verkaufen oder nicht, kann Ihnen niemand abnehmen. Sie hängt von Ihren Ansprüchen, Bedürfnissen und Verhältnissen ab. Es gibt kein Patentrezept. Lassen Sie sich beraten, was für die eine oder andere Lösung spricht und was für finanzielle Folgen Ihre Entscheidung haben wird. Fragen Sie mich lieber zu früh als zu spät, irgendwann zwischen 50 und 60 Jahren. Je später Sie sich damit auseinandersetzen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Entscheidung von externen Faktoren abhängen wird statt von Ihren Wünschen und Träumen.

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